Im Vergleich mit der Bildungsbranche sind für keine andere Branche vergleichbar viele Qualitätsmanagement-Modelle verfügbar, nach denen Qualitätsmanagementsysteme erstellt, aufrechterhalten und teilweise zertifiziert werden können.

Die Ursache der bisherigen Situation im Bildungsbereich

Da der Abstraktionsgrad der allgemein anwendbaren Normen, wie z.B. der ISO 9001, deren spezifische Anwendung auf den Bildungsbereich mitunter mühsam erscheinen lassen, wurden zumeist regional, oder durch Verbände Regelwerke erarbeitet, die sich durch Supportstrukturen und Anwendungshilfen auszeichnen. Diese, speziell auf Bildungsdienstleistungen abhebenden Qualitätsmanagementsysteme fokussieren ausdrücklich auf den „Bildungsbereich“ und leiten explizit zur Evaluation an.

Die Konsequenz der Vielfalt der Qualitätsmanagementsysteme

Durch die zunehmende Ausdifferenzierung der Systemlandschaft in der beruflichen Bildungsbranche wird kaum mehr über eine notwendige Vielfalt, sondern vermehrt über „Wildwuchs“ gesprochen. Immer mehr Bildungsträger forderten - zumindest für die berufliche Weiterbildung - eine möglichst international anerkannte „Dachnorm“ mit integrierender Wirkung.

Der Weg zur „Dachnorm“ in der beruflichen Weiterbildung

Die Initiative für die Bildung des zuständigen ISO-Komitees ISO/TC 232 und für den neuen Standard ging im Jahr 2006 vom DIN aus. Als Ausgangspunkt brachte die deutsche Delegation die PAS 1037:2004 QM STUFEN-MODELL® ein. In den Jahren 2007 bis 2010 entstand ein neuer Managementstandard für Bildungseinrichtungen, der den Schwerpunkt auf die Lerndienstleistung legt.

Das Ergebnis lautet DIN ISO 29900:2010

Der neue Standard richtet sich an alle Arten von Bildungsträgern vom Einzeltrainer bis zur Universität. Er ist vorrangig für die „nicht formale Aus- und Weiterbildung“, wie z.B. die innerbetriebliche Berufsausbildung, die Erwachsenenweiterbildung oder das lebenslange Lernen geschrieben, lässt sich jedoch auch umfassender von Schulen, Oberstufenzentren oder Hochschulen anwenden.

Überblick über die DIN ISO 29900:2010

Die DIN ISO 29990 ist ein Qualitätsmanagementsystem und zugleich ein Servicestandard, der den Lernprozess als Kernprozess der Organisation in den Mittelpunkt stellt. Im Ergebnis entstand ein Managementstandard für Bildungseinrichtungen, der den Schwerpunkt auf die Lerndienstleistung legt. Der Standard beinhaltet vier Abschnitte mit zwei Hauptbestandteilen und praxisorientierten Anhängen..

Abschnitt 3: Anforderungen an Lerndienstleistungen
Dieser Abschnitt beschreibt Vorgaben zur Entwicklung kundenorientierter Bildungsangebote und bezieht sich damit auf den Kernprozess eines Bildungsträgers (Bestimmung des Lernbedarfs, Gestaltung, Erbringung, Monitoring und Evaluation der Lerndienstleistung).

ISO 29990 Abschnitt 3

Abschnitt 4: Anforderungen an das Management des Lerndienstleisters
Der zweite Hauptbestandteil, dreht sich um das Management des Lerndienstleisters. Dieser enthält allgemeine und strategische Anforderungen, wie die Einführung eines Managementsystems, die Verpflichtung zur kontinuierlichen Weiterbildung und die Beschreibung der Führungs- und Schlüsselprozesse sowie die Anforderungen an ein Finanz- und Risikomanagement; das Personal-, Kommunikationsmanagement, die Ressourcenbereitstellung usw.

ISO 29990 Abschnitt 4

Akkreditierung nach ISO/IEC 17021
Die DIN ISO 29900 wurde als zertifizierbares Managementsystem konzipiert. Mit der Akkreditierung der ersten Zertifizierungsstellen nach ISO/IEC 17021 durch die DAkkS GmbH wird bis Jahresende 2011 gerechnet. Die Frage der Anerkennung durch die Bundesagentur für Arbeit als AZWV-anerkannte Trägerzertifizierung befindet sich in der Diskussion.

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